DE 31.01.2005
- Industrieschnee: „Crumschter gegen SVA“ lassen sich erklären, wie Proben des HIM-Schnees einzusammeln sind

RIEDSTADT.
Es ähnelt einer Tischtennisplatte ohne Netz. Doch das hölzerne Podest, das auf dem Gelände der ehemaligen Crumstädter Kläranlage steht, dient einem ganz anderen Zweck: Mit seiner Hilfe soll so genannter Industrieschnee aufgefangen werden. Um die Probenahme kümmert sich die Bürgerinitiative (BI) „Crumschter gegen SVA“. Wie dies geschieht, haben die BI-Aktiven jetzt vom Leiter des Riedstädter Umweltamts, Hans-Jürgen Unger, bei einem Ortstermin erklärt bekommen. Die Kommunale Arbeitsgemeinschaft SVA Biebesheim (KAG), welcher die Gemeinde Riedstadt angehört, unterstützt die Aktion finanziell und logistisch. Analysiert werden die Proben von einem Labor, das der KAG vom Hessischen Landesamt für Umwelt und Geologie empfohlen worden ist. Der Leiter dieser Einrichtung will sich mit seinen Kollegen zunächst beraten, so Unger, wie man diese Schneeproben korrekt nimmt. Geklärt werden müssen Fragen wie: Mit welchem Gerät ist der Niederschlag einzusammeln? Und in Flaschen welchen Materials soll er gefüllt werden? „Nicht, dass dann nachher das Ergebnis der Analyse angezweifelt wird", meinte der Umweltamts-Leiter. Die Antwort vom Labor erwartet Unger bis nächste Woche, so dass BI, KAG und Umweltamt spätestens übernächste Woche einsatzbereit wären. Die „Crumschter“ würden mit Planen ausgestattet, die bei Schneefall auf das Podest zu spannen und mit Schraubzwingen zu fixieren seien. Um sicher zu gehen, nehmen die „Crumschter“ Proben bei jeder Art von Schneefall, kündigte Petra Schellhaas von der BI an. Der Schnee muss laut Unger in seinem ursprünglichen Aggregatzustand ins Labor. Weshalb er den BI-Aktiven riet, die Flaschen in einer Kühlbox zu transportieren. Wie entsteht Industrieschnee eigentlich? An Staub- und Gasteilchen, die Industrieschornsteinen wie jenem der südlich von Crumstadt gelegenen Sondermüll-Verbrennungsanlage (SVA) der HIM entweichen, können sich Schneekristalle bilden – eine gewisse Luftfeuchtigkeit und geringe Minusgrade vorausgesetzt. In Crumstadt fällt Industrieschnee, der ob seiner feinen Konsistenz aussieht wie Raureif, ausschließlich bei Südwind, erläuterte Unger. Die SVA sei jedoch nicht die einzige Verursacherin. Am 15. Dezember vergangenen Jahres fiel solch unnatürlicher Niederschlag auf einer Fläche von rund 50 Quadratkilometer, wie Unger mittels einer Karte verdeutlichte. Damals habe er, Unger, beim Blick aus seinem Bürofenster gesehen, dass Kinder solchen Schnee in den Mund genommen hätten. Eine Beobachtung, die ihm deutlich gemacht hat, dass der Niederschlag auf mögliche Gesundheitsgefahren hin untersucht werden muss. Bei einer Analyse im Jahr 1993 sei herausgefunden worden, dass nicht mehr Dioxin als sonst vom Himmel gekommen sei, dass der Schnee aber andere chlorierte organische Verbindungen – darunter Hexachlorbenzol und Chlorphenole – in ungewöhnlich großen Mengen enthalten habe. Eine akute Gesundheitsgefährdung der Bevölkerung sei ausgeschlossen worden: „Doch es kann niemand sagen, was passiert, wenn ein Kind mal ein bisschen länger draußen ist und etwas mehr Schnee zu sich nimmt.“ Wie sich die Häufigkeit der Schneefallereignisse – laut Unger normalerweise zwei bis drei Mal pro Jahr – auf die Gesundheit des Menschen auswirkt, sei ebenfalls unklar. Die jetzt geplante Untersuchung bringe einerseits Vergleichswerte zu 1993. Zudem werde auch der Schwermetall-Gehalt der Proben untersucht, was damals versäumt worden sei.
dirk