DE 11.06.2004

CRUMSTADT.
Rund 80 Personen gehören der Bürgerinitiative „Crumschter gegen SVA“ an. Dass den Verein in jüngerer Vergangenheit einige Mitglieder verlassen haben, hat seine Vorsitzende Petra Schellhaas „persönlich sehr bewegt“, sagte sie am Dienstag in der Jahresversammlung. In einigen Fällen habe sie nach den Gründen des Austritts gefragt. Einige Zitate: „Ich wollte Ballast abwerfen“; „nach zehn Jahren habe ich mir das Recht genommen, an mich zu denken“; „ich will kein schlechtes Gewissen mehr haben wegen der HIM, die zieht mich nur runter“. Die Antworten sind laut Schellhaas ein Beleg für das, was Rainer Ernst Schneider-Wilkes in einer Studie herausgefunden hat. 1997 sei er zu dem Ergebnis gekommen, dass Bürgerinitiativen zwar einen festen Platz in der Gesellschaft hätten. Doch der tatsächliche Kreis der Aktiven sei klein geblieben. Dies liege nach seinen Untersuchungen daran, dass Mitarbeit in einer Bürgerinitiative als anstrengend, Zeit raubend und nicht selten erfolglos und frustrierend erlebt werde. Vor diesem Hintergrund sieht Petra Schellhaas die Tatsache, dass die „Crumschter gegen SVA“ das elfte Jahr ihres Bestehens erleben, als großen Erfolg. Dass die Crumstädter Bürgerinitiative noch immer eine Daseinsberechtigung hat, steht für ihre Vorsitzende außer Zweifel. Erst recht nach dem Wechsel in der Geschäftsführung der HIM: Deren neuer technischer Geschäftsführer Andreas Ellerkmann, der im Februar dieses Jahres Professor Dr. Günter Höhlein abgelöst hat, habe in Gesprächen keinen Zweifel daran gelassen, dass die HIM allein wirtschaftliche Interessen verfolge – und deshalb europaweit Giftmüll für ihre Biebesheimer Sonderabfall-Verbrennungsanlage (SVA) akquiriere. Die Giftmüllimporte aus Italien seien laut Ellerkmann zwar rückläufig, da es auch dort jetzt eine SVA gebe. Aber „die Zahlen der Importe lassen diesen Trend derzeit noch nicht erkennen“, so Schellhaas. Außerdem sei aus den neuen Mitgliedsländern der Europäischen Union im Osten, die ausnahmslos über keine SVA verfügten, eine wesentlich größere Belastung importierten Giftmülls zu erwarten. Deshalb ist es laut Schellhaas weiterhin wichtig, die Entwicklung der Biebesheimer Giftmüllimporte zu beobachten. In diesem Zusammenhang bereitet den „Crumschtern gegen SVA“ weiter Unbehagen, dass die HIM privatisiert werden könnte. Noch sei das Land Hessen mit 28 Prozent (und damit der Sperrminorität) an dem Unternehmen beteiligt, nachdem der geplante Anteilsverkauf an eine belgische Firma gescheitert sei. Die Landesregierung strebe jedoch weiterhin die Privatisierung an.dirk